Dem
Trinkverhalten Jugendlicher auf der Spur
Im Rahmen des Projektes TALK ABOUT
events haben Mitarbeitende der Fachstelle für Suchtprävention
des Blauen Kreuzes verschiedenste Veranstaltungen im ganzen
Kanton Bern besucht, um das Trinkverhalten von Jugendlichen
zu beobachten.
An 23 Events mit geschätzten 80'000
BesucherInnen, darunter rund 21'000 Jugendliche, wurde von Mai
bis September ein umfangreiches Monitoring durchgeführt. Nach
Vorliegen der detaillierten Ergebnisse, die zeigen, dass Jugendliche
Alcopops und Bier bevorzugen, sind nun die Veranstalter gefordert.
Verschiedentlich drangen in letzter
Zeit einzelne Meldungen über Trinkexzesse von Jugendlichen an
die Öffentlichkeit. Zudem wurde bekannt, dass die Verkaufszahlen
von Alcopops regelrecht explodiert sind. Wer genau die riesigen
Mengen Alcopops konsumiert und was an Wochenendveranstaltungen
wirklich abgeht, konnte aber bisher nur vermutet werden.
Nun liegen dank dem Projekt TALK
ABOUT events zum ersten Mal nähere Angaben über das Trinkverhalten
von Jugendlichen an Events vor.
An 23 zufällig ausgewählten Veranstaltungen
mit insgesamt rund 21'000 jugendlichen BesucherInnen zwischen
14 und 20 Jahren versuchten geschulte BeobachterInnen anhand
eines Beobachtungsrasters verschiedene Fragen zu beantworten:
Wie setzt sich das Publikum zusammen? Welche Rahmenbedingungen
gelten? Welchen Alkohol, wieviel, wie und mit welchen Auswirkungen
konsumieren Jugendliche?
Nebst der Tatsache, dass 17-Jährige häufig nur schwer von 22-Jährigen
zu unterscheiden sind, hatten sich die Beobachtenden mit der
Schwierigkeit auseinanderzusetzen, dass vermeintlich alkoholbedingte
Veränderungen auch durch Müdigkeit oder andere Einflüsse hervorgerufen
werden können.
Obwohl alle Beobachtungen und Wahrnehmungen
unweigerlich subjektiv gefärbt sind, lässt die Gesamtbetrachtung
der Ergebnisse interessante Schlüsse zu.
Bier und Alcopops bevorzugt
Im Durchschnitt gehört rund ein
Viertel aller BesucherInnen von Events zur Zielgruppe der 14-
bis 20-Jährigen. Gegen Ende der meisten Veranstaltungen nimmt
der Anteil der Zielgruppe am Gesamtpublikum merklich ab.
Durchschnittlich 56 % der Event-BesucherInnen aus der Zielgruppe
sind männlich, 44 % weiblich. Je länger die Veranstaltungen
dauern, desto mehr vergrössert sich dieses Ungleichgewicht.
Wenn 14 – 20-Jährige im Ausgang Alkohol konsumieren, sind dies
vorwiegend Bier und Alcopops. Alkoholische Getränke werden innerhalb
der Zielgruppe oft in kleinen Gruppen gemeinsam gekauft und
auch gemeinsam konsumiert.
Das Verkaufsverbot von Alcopops an Jugendliche wird mangelhaft
eingehalten. Ebenso die Vorschrift des bernischen Gastgewerbegesetzes,
wonach mindestens drei nichtalkoholische Getränke billiger verkauft
werden müssen, als das billigste alkoholhaltige in gleicher
Menge („Sirupartikel“).
Die am häufigsten zu beobachtenden Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs
bei Jugendlichen sind Unsicherheiten beim Gehen, unklare oder
aggressive verbale Ausdrucksformen, das Betatschen von Personen
beider Geschlechter, übertriebenes Gestikulieren, auf Bänke
und Tische steigen, Apathie sowie das Urinieren an nicht dafür
vorgesehenen Orten.
Erfreulicherweise konnten die Beobachtenden feststellen, dass
bei zahlreichen Veranstaltern bereits ein Problembewusstsein
vorhanden ist und mit verschiedenen Massnahmen versucht wird,
den Alkoholmissbrauch, insbesondere bei jungen Leuten, nicht
überborden zu lassen.
Unterschiede
je nach Art der Veranstaltung
Werden die Monitoringresultate
der Veranstaltungen nach Grössenkriterien verglichen, sind kaum
Unterschiede festzustellen. Einzig die Beobachtung, dass bei
kleineren Events verhältnismässig mehr Jugendliche anwesend
sind als bei Grossanlässen ist bemerkenswert.
Vergleicht man jedoch die Veranstaltungen
nach Art des Angebots, ist feststellbar, dass Jugendliche, vor
allem junge Männer, ganz klar Veranstaltungen vorziehen, bei
denen der Alkohol eher im Mittelpunkt steht. Konsumiert wird
an solchen Events signifikant mehr als an anderen Veranstaltungen,
wobei Alcopops eindeutig bevorzugt werden. Dieser höhere Konsum
führt auch zu mehr alkoholbedingten Veränderungen.
Mit dem „Sirupartikel“ wird an Events, bei denen der Alkohol
eine zentrale Bedeutung hat, auffallend ungenauer umgegangen
als bei den anderen Veranstaltungen.
Umfangreicher
Ideenkatalog
Um den aufgedeckten Mängeln zu
begegnen, arbeitet die Fachstelle für Suchtprävention des Blauen
Kreuzes nach der Monitoringphase nun an konkreten Verbesserungsmöglichkeiten.
Zusammen mit interessierten Veranstaltern von Anlässen verschiedenster
Art und Grösse werden anhand eines umfangreichen Ideenkataloges
massgeschneiderte Präventionskonzepte entwickelt. Alternative
nichtalkoholische Getränke, die Konsumbeeinflussung via Getränkepreise,
Postkarten mit Slogans von Promis und weitere Sensibilisierungsaktionen
spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Information
und Schulung des Personals beispielsweise in bezug auf die Einhaltung
der Jugendschutzbestimmungen.
Grosses
Interesse an Zusammenarbeit
Der erste Praxistest mit einem
gemeinsam erarbeiteten Präventionskonzept für die Langenthaler
Tropical-Night vom letzten Wochenende verlief sehr erfolgreich.
Bereits haben sich neun weitere Veranstalter für eine Zusammenarbeit
mit TALK ABOUT events entschieden. Es sind dies die Vereine
Bärner Fasnacht, Thunfest und Moon-Light sowie Atlantis Management,
G.U.S. Productions, Mystery Partys, Pulls Production, der FC
Kirchberg und die Gemeinde Münchenbuchsee.
Das Projekt
TALK ABOUT events
Mit dem Projekt TALK ABOUT events
verfolgt die Fachstelle für Suchtprävention des Blauen Kreuzes
das Ziel, den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen an Veranstaltungen
einzuschränken.
Finanziert und unterstützt wird
das vier Jahre dauernde Projekt mit einem Gesamtbudget von rund
360'000 Franken von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des
Kantons Bern und vom Blauen Kreuz des Kantons Bern.
Das Unterstützungskomitee setzt
sich zusammen aus Roland Wüthrich (Veranstalter Bierhübeli,
Pulls Produktions AG), Mascha Santschi (Studentin, Moderatorin,
Model) und Allan Guggenbühl (Jugendpsychologe).
Kontakt
Weitere Informationen zu TALK ABOUT
events sind erhältlich auf der Fachstelle für Suchtprävention
des Blauen Kreuzes, Freiburgstr. 119, 3008 Bern.
Telefon 031 398 14 50, Fax 031 398 14 51, E-Mail info@talkabout.org oder Internet www.talkabout.org.