BZ-Kanton
Bern / Bieler Tagblatt 6. Dezember 2002
Blaues Kreuz
Junge bevorzugen Alcopops
Laut einer Umfrage
des Blauen Kreuzes trinken Jugendliche im Ausgang am liebsten süsse
alkoholische Mischgetränke - so genannte Alcopops - oder Bier.
Die Umfrage sei aber «nicht wissenschaftlich».
Von Mai bis September
dieses Jahres besuchten Mitarbeiter des Blauen Kreuzes 23 Events im
ganzen Kanton Bern. Titel des Projekts: «Talk about events».
An den 23 Veranstaltungen haben laut Projektleiter Ruedi Löffel
geschätzte 80 000 Besucherinnen und Besuchern teilgenommen. Rund
21 000 davon seien Jugendliche im Alter zwischen 14 und 20 Jahren gewesen.
Anhand eines Beobachtungsrasters führten «geschulte Beobachter»
Erhebungen zum Alkoholkonsum der 14- bis 20-Jährigen durch.
Obwohl alle Beobachtungen und Wahrnehmungen «unweigerlich subjektiv
gefärbt» seien, lasse die Gesamtbetrachtung der Erhebung
doch Schlüsse zu, teilten die «Talk about»-Verantwortlichen
gestern mit. «Es war keine wissenschaftliche Untersuchung»,
räumte Projektleiter Löffel ein. Er sei aber trotzdem überzeugt,
dass die Aktion ein «repräsentatives Bild» über
den Alkoholkonsum von Jugendlichen zeige.
Im Durchschnitt gehörten rund ein Viertel der Besucher zur Zielgruppe
der 14- bis 20-Jährigen. Durchschnittlich 56 Prozent der Besucher
waren männlich, 44 Prozent weiblich. Wenn 14- bis 20-Jährige
Alkohol konsumierten, dann vorwiegend Alcopos (mit durchschnittlich
5,6 Volumenprozent) wie «Smirnoff, Bacardi Breezer, Hooch»
und Bier. Der Verkauf von Alcopops habe extrem zugenommen, sagte Projektleiter
Löffel gestern. Seien im Jahr 2000 noch 2 Millionen Flaschen über
die Theke gewandert, belaufe sich die Verkaufszahl 2002 bereits auf
40 Millionen. Welche Altersgruppe für diesen Anstieg verantwortlich
zeichne, sei aber nicht klar.
Das Verkaufsverbot von Alcopos an Jugendliche werde mangelhaft umgesetzt.
Auch mit der Einhaltung der Vorschrift, dass mindestens drei alkoholfreie
Getränke billiger verkauft werden müssen als das billigste
alkoholische Getränk, klappe es nicht überall. Zahlreiche
Veranstalter seien sich aber der Probleme des Alkoholmissbrauchs bewusst
und versuchten mit verschiedenen Massnahmen, den Missbrauch, insbesondere
bei Jugendlichen, nicht überborden zu lassen. Zusammen mit interessierten
Veranstaltern will das Blaue Kreuz nun Präventionskonzepte entwickeln.
sgt/sda
Stefan Geissbühler
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