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Stadt und Kanton Bern 06. Dezember 2002
Alternativen zu
Bier und Alcopops
Alkohol-Events
Talk about zeigt den Jugendlichen Auswege aus Trinkverhalten auf. An
Events trinken Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren bevorzugt Bier
und Alcopops. Diese Vermutung hat ein umfangreiches Monitoring an 23
Events im Kanton Bern bestätigt. Jetzt appellieren die Leiter des
Präventionsprojektes talk about events an die Veranstalter.
Die gestern den
Medien von den beiden Projektleitern Stephan Koller und Ruedi Löffel
präsentierten Zahlen sind ernüchternd. Von April bis Ende
September hatten geschulte Beobachterinnen und Beobachter 23 zufällig
ausgewählte Veranstaltungen besucht; darunter auch die Mallorca-Party
in Huttwil, das Fussballfest des FC Kirchberg und die Sunset Party in
Langenthal.
Dabei hatten sie anhand eines Beobachtungsrasters verschiedene Fragen
zu beantworten. Wie setzt sich das Publikum zusammen? Welche Rahmenbedingungen
gelten? Welchen Alkohol, wieviel, wie und mit welchen Auswirkungen konsumieren
Jugendliche? Als Zielgruppen wurden die 14- bis 20-Jährigen definiert.
«Weil immer mehr Jugendliche immer früher Alkohol konsumieren,
wollen wir diese Altersgruppe auf das Problem sensibilisieren»,
erklärte Stephan Koller. «Das Risiko der Abhängigkeit
steigt und der Ausstieg aus der legalen Droge Alkohol wird schwieriger»,
ergänzte Ruedi Löffel.
Zeigt
gutes Bild
Obwohl die Untersuchung nicht wissenschaftlich und die Beobachtungen
subjektiv seien, lasse die von auswärtigen Psychologen vorgenommene
Auswertung interessante Schlüsse zu. Ruedi Löffel: «Ich
bin überzeugt, das Resultat ist repräsentativ. Die Studie
zeigt ein gutes Bild, was abgeht an den Wochenenden.»
Durchschnittlich gehörten rund ein Viertel aller geschätzten
insgesamt 80000 Events-Besucher zur Zielgruppe. 56 Prozent davon waren
männlich, 44 Prozent junge Frauen. Je länger die Veranstaltung
dauerte, desto mehr habe sich das Ungleichgewicht vergrössert.
Wenn Alkohol konsumiert worden sei, dann überwiegend Bier und Alcopops.
Alkoholikas seien oft in kleinen Gruppen gekauft und auch gemeinsam
getrunken worden. Das Verkaufsverbot von Alcopops an Jugendliche sei
mangelhaft eingehalten worden. Ebenso die Vorschrift des bernischen
Gastgewerbegesetzes, wonach mindestens drei nichtalkoholische Getränke
billiger verkauft werden müssen, als das billigste alkoholhaltige
Getränk (Sirupartikel). Betrunkene Jugendliche seien durch ihren
unsicheren Gang aufgefallen, durch ihre unklare und/oder aggressive
Sprache und durch das Grabschen an Kolleginnen und Kollegen. Weiter
sei oft irgendwohin uriniert oder erbrochen worden. Unterschiede nach
Grösse der Veranstaltung seien kaum ausgemacht worden. Anders beim
Event-Typ: Junge Männer würden ganz klar Veranstaltungen vorziehen,
bei denen der Alkoholkonsum im Vordergrund steht. An solchen Anlässen
werde dem «Sirupartikel» auch wesentlich weniger Beachtung
geschenkt. «Hingegen war erfreulich, dass wir keine eigentlichen
Exzesse mit Alkoholleichen feststellen mussten», sagte Löffel.
Grosses
Interesse an Zusammenarbeit
Derzeit erarbeite die Fachstelle für Suchtprävention des Blauen
Kreuzes an konkreten Verbesserungsmöglichkeiten. In Zusammenarbeit
mit interessierten Event-Veranstaltern würden massgeschneiderte
Präventionskonzepte erarbeitet. Alternative nichtalkoholische Getränke,
die Konsumbeeinflussung über die Getränkepreise, Postkarten
mit Slogans von Promis - darunter auch Mascha Santschi (vgl. Kasten
rechts) spielten dabei eine wichtige Rolle. Ins Auge gefasst werde auch
die Schulung des Personals an den Veranstaltungen, wurde aus dem Ideenkatalog
zitiert.
Kohler und Löffel berichteten von einem grossen Interesse der Veranstalter
an einer Zusammenarbeit. Der erste Praxistest mit einem gemeinsamen
Präventionskonzept für die Langenthaler Tropical-Night vom
letzten Wochenende sei sehr erfolgreich verlaufen. Gemäss Löffel
haben sich bereits weitere Veranstalter für eine Zusammenarbeit
mit talk about events entschieden, so die Vereine FC Kirchberg, Bärner
Fasnacht, Thunfest und Moon-Light sowie Atlantis Management, G.U.S.
Productions, Mysterie Partys, Pulls Production und die Gemeinde Münchenbuchsee.
«Die
spielen nicht Polizei»
Unterstützung Veranstalter stehen nicht abseits
Role Wüthrich ist seit 20 Jahren als Event-Organisator im Geschäft.
«Von den Eintritten können wir nicht leben. Wir leben von
den Verkäufen an den Bars und sind auf Sponsoren angewiesen. Die
grössten Beträge bezahlen Tabak- und Alkoholfirmen»,
sagte Wüthrich gestern vor den Medien. Trotzdem beurteilt Wüthrich
das Vorgehen von talk about als «sympathisch» und macht
im Unterstützungskomitee mit. «Die spielen nicht Polizei,
sie informieren und sensibilisieren.» Dieses Jahr habe er beim
Schlossgut Festival in Münsingen auf viele Sponsorengelder eines
Alcopop-Lieferanten verzichtet. «Am Anfang gab es einige, die
waren enttäuscht. Bald stellten wir aber fest, dass der Verzicht
richtig war. «Noch nie verkauften wir solche Mengen an Cola, Mineral
und Eistee. Am Schluss machten wir nicht weniger Umsatz.»
Wie Wüthrich macht auch Mascha Santschi (Moderatorin und Model)
im talk about-Unterstützungskomitee mit. «Bei Autogrammstunden
stelle ich immer wieder fest, dass sich einige nur Angetrunken zu einem
Gespräch wagen.» Das sei falsch und nicht notwendig. Sie
habe Mühe mit jenen, die sich im Ausgang bloss betrinken wollten.
Bruno Utz
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