Neue
Zürcher Zeitung, Schweiz, 6. Dezember 2002
Gefahrenzonen für
Jugendliche
Beobachtung des
Alkoholkonsums von 14- bis 20-Jährigen
Dass alkoholische
Getränke von Jugendlichen in weit grösserem Ausmass und mit
weit schlimmeren volkswirtschaftlichen und persönlichen Folgen
konsumiert werden als illegale Drogen, ist bekannt. Wo und wie 14- bis
20-Jährige sich berauschen, wurde im Kanton Bern an 23 Events beobachtet,
die von rund 21 000 Personen der fraglichen Altersgruppe besucht wurden.
Die Erkenntnisse werden für die Prävention genutzt. He. Bern,
5. Dezember
Das Trinkverhalten
Jugendlicher im Kanton Bern wurde in den Sommermonaten von der Fachstelle
für Suchtprävention des Blauen Kreuzes an 23 zufällig
ausgewählten Grossveranstaltungen (Open Airs, Beachpartys, Fussballfeste)
beobachtet, die von insgesamt 80 000 Personen, davon 21 000 zwischen
14 und 20 Jahren, besucht wurden. Untersucht wurde etwa, welche Produkte
zu welchem Preis angeboten wurden und ob nichtalkoholische Getränke,
die nicht teurer als das billigste alkoholische sind, im Angebot figurierten
(«Sirupartikel»). Erfragt wurden auch die Trinkgewohnheiten,
insbesondere, ob Gruppendruck oder gar «Nötigung» im
Spiel ist.
Vor
allem Bier und Alcopops
Junge Mitarbeiter
des Blauen Kreuzes führten das Monitoring (Projektname «Talk
about events») durch und ermittelten, dass Bier und Alcopops von
je einem Drittel aller Befragten bevorzugt werden, während nur
wenige in diesem Alterssegment traditionelle Drinks, Wein und Champagner
konsumieren. Die Party-Beobachter registrierten auch die Auffälligkeiten
im Verhalten junger Betrunkener - von Straucheln, Lallen, Betatschen,
Gestikulieren bis zum Verrichten der Notdurft an ungeeigneten Stellen
und Apathie. Alarmierend sind Auskünfte der Jugendlichen, die pro
Anlass exzessiv Alkoholisches konsumieren.
Die von den Projektleitern Ruedi Löffel und Stefan Koller vorgestellten
Ergebnisse sind streng gesehen nicht repräsentativ, jedoch dank
der grossen Zahl der Beobachteten gleichwohl aussagekräftig. Manche
situative Details wurden ermittelt, etwa dass Mädchen häufig
lieber etwas Alkoholfreies bestellen würden, wenn es angeboten
würde, oder dass dort, wo die Frage nach dem Verkauf von Alcopops
abschlägig beantwortet wird, Jugendliche sich auch mit andern Drinks
zufriedengeben. Gemäss der revidierten Lebensmittelverordnung (seit
2002 in Kraft) ist der Verkauf von Wein und Bier an Jugendliche unter
16 Jahren verboten und müssen Alcopops - limonadeähnliche
Getränke mit Wodka, Whisky usw. - als Alkohol gekennzeichnet werden.
Die Eidgenössische Alkoholverwaltung schätzt, dass der Verkauf
dieser heimtückischen Limonaden von 2 Millionen im Jahr 2000 auf
40 Millionen im Jahr 2002 angestiegen ist.
Sensibilisierung
der Veranstalter
Die Aktion «Talk about events», die auch von der Berner
Gesundheitsdirektion unterstützt wird, ist auf vier Jahre angesetzt.
Zusammen mit einigen der Partyveranstalter wird ein Präventionskonzept
entwickelt. Eine Infobox in Dosenform wurde bereits kreiert, alkoholfreie
Drinks werden an den Veranstaltungen angeboten. Unterstützt wird
die Aktion auch von Role Wüthrich, Veranstalter im Berner Szenelokal
Bierhübeli. Dass die Organisatoren auf Werbung angewiesen sind,
die Hauptsponsoren aus der Tabak- und Alkoholindustrie kommen und die
Events zudem vom Barbetrieb leben, dürfe die Veranstalter nicht
von ihrer Verantwortung für die Minderjährigen entbinden.
Deshalb eröffnet Wüthrich nächstes Jahr ein Koordinationsbüro
mit neun weiteren Veranstaltern aus dem Raum Bern.
Mehr Info unter www.talkabout.org oder Tel. 031 398 14 50.

Regula Heusser, He. Zeitfragen
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